Einladung zu Vortrag von Robin Bauer im Rahmen der queeren Ringvorlesung

Robin Bauer wird sich in seinem Vortrag mit Geschlecht, Sexismus und Feminismus in queerem BDSM (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) auseinandersetzen. Der Titel des Vortrags beinhaltet das Zitat „Ich glaube ich mag den Feminismus lieber als er mich mag.“, welches von einer Person stammt, die ihre ambivalente Verortung in der scheinbar konflikthaften Lage zwischen Feminismus und BDSM auf den Punkt bringt. Der Vortrag findet am 05.12.2011, um 19 Uhr, im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34, Gießen) statt.

Aus dem Ankündigungstext:
„Ich glaube ich mag den Feminismus lieber als er mich mag.“
Auseinandersetzungen mit Geschlecht, Sexismus und Feminismus in queerem BDSM

Seit den 1970ern flammt die Diskussion ob BDSM-Praktiken und Identitäten mit feministischen Werten und Überzeugungen vereinbar sind, immer wieder auf, und nur selten scheinen die Auseinandersetzungen darüber über Stereotypen hinauszugehen, geschweige denn auf konstruktive Art und Weise geführt zu werden. Vor diesem historisch belasteten Hintergrund widmet sich dieser Vortrag folgenden Fragen:
Was findet in BDSM Praktiken von selbst definierten lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen und Trans*menschen tatsächlich statt? Wie wird mit Geschlecht gespielt? Wie werden dabei Geschlechterstereotype aufgegriffen oder umgearbeitet? Welchen Einfluss haben sexistische und andere Machtverhältnisse auf queere BDSMer_innen, bilden sie eine Schatztruhe für lustvolle Aneignung und Subversion oder beschränken sie eher die Möglichkeiten erotischer Kreativität und Nonkonformität? Ist es möglich, in einer sexistischen Kultur einvernehmlich sexuelle und insbesondere BDSM-Handlungen auszuführen? Was sind die Auswirkungen einer Doppelmoral in diesem Kontext (BDSM wird nach anderen Maßstäben beurteilt als andere Sexualitäten hinsichtlich der Frage der Möglichkeit vom Herstellen von Einvernehmlichkeit)?
Um sich diesen Fragestellungen zu nähern, wird u.a. auf Interviews mit selbst definierten queeren BDSMer_innen und ihren Erfahrungen mit diesen Thematiken zurückgegriffen. Da sich viele von ihnen selbst als feministisch definieren, stellt sich ihnen die Frage des Umgangs mit denjenigen Versionen des Feminismus, die BDSM pauschal als Gewalt gegen Frauen und weibliche BDSMer_innen als mit dem verkehrten Bewusstsein ausgestattet ansehen. Das Zitat im Titel stammt von einer queeren Femme und bringt ihre ambivalente Verortung in dieser konflikthaften Lage auf den Punkt.

Robin Bauer hat Philosophie, Chemie und Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg studiert und promoviert derzeit in der Soziologie zu queeren BDSM-Praktiken und
-Communitys. Er forscht und lehrt seit 2000 an verschiedenen Hochschulen schwerpunktmäßig in den Bereichen Gender Studies, feministische Naturwissenschaftskritik, Queer Studies, Transgender Studies, Polyamorie, BDSM, Sexarbeit, HIV/AIDS, Soziologie der Sexualität, in denen er sich auch aktivistisch engagiert. Derzeit lebt er in Leuven.

13.11.2011 – Gebärdensprachdolmetschung aktueller Anlass


Aus aktuellem Anlass möchten wir darauf hinweisen, dass ab dem 21.11.2011 alle Vorträge der queeren Ringvorlesung simultan gebärdensprachdolmetscht werden. Diesbezüglich benötigt es also keiner Voranmeldung mehr. Hierfür haben wir uns entschieden, um Personen, die Gebärdensprachdolmetschung benötigen, ein spontanes Kommen zu ermöglichen.
Für die bessere Planung wie viele Personen kommen, sollten Gruppen jedoch bei uns angemeldet werden, damit wir ausreichend Plätze in der Nähe der Gebärdensprachdolmetscher_innen reservieren können.

12.11.2011 – Einladung zum Vortrag von Nadine Lantzsch

wir laden Euch hiermit zum dritten Vortrag der queeren Ringvorlesung ein.
Nadine Lantzsch wird zum aktuellen Thema der „Slutwalks“ einen Vortrag mit dem Titel „Sind wir nicht alle Schlampen? Wenn sich Queer/Feminismus und Malestream die Hände reichen…“. halten. Die Veranstaltung findet am 21.11.2011 im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34, Gießen) statt. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr.

Aus dem Ankündigungstext:
Mit den weltweiten Protesten gegen sexualisierte Gewalt, Sexismus und Vergewaltigungsmythen, den sogenannten Slutwalks, finden nach langer Zeit wieder dezidiert feministische Anliegen ihren Weg auf die Straße. Dabei bedienen sich Slutwalks vielfältiger Perspektiven und Ästhetiken. Überspitzt ließe sich das als „Radikalfeminismus im Riot-Grrrl-Gewand“ formulieren. Hunderte und Tausende Sex-Arbeiter_innen, Queers, Lesben, Trans* Frauen, Schwule und Männer demonstrieren gemeinsam als Betroffene eines Systems, das sexualisierte Gewalt verharmlost und legitimiert. Medien bieten den Organisator_innen und Teilnehmer_innen eine Plattform, ihre Anliegen auf großer Bühne vorzutragen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten?

Der Vortrag will der Frage nachgehen, welche Chancen und Grenzen in queer/feministischen Bewegungspolitiken liegen, deren Inhalte auch für den Malestream interessant sind.

Nadine Lantzsch war Co-Organisatorin des Berliner Slutwalks und ist im Verein Mädchenmannschaft e.V. aktiv, der das gleichnamige feministische Blog betreibt.

Gebärdensprachdolmetscher_innen werden anwesend sein.

31.10.2011 – Einladung zu Vortrag von Patsy l‘Amour laLove / Patrick Henze

Wir möchten euch hiermit zum zweiten Vortrag der queeren Ringvorlesung einladen, den Patsy l’Amour laLove / Patrick Henze halten wird. Der Titel seines_ihres Vortrags lautet „Schwule Selbstermächtigung – Männlichkeit, Selbsthass, Politik“. Die Veranstaltung findet am 07.11.2011 im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34, Gießen) statt. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr.

Aus dem Ankündigungstext:
Schwule finden sich, wie alle anderen auch, nach wie vor innerhalb einer patriarchalen und damit schwulenfeindlich geprägten Gesellschaft wieder. Dennoch sind Fragestellungen bezüglich schwuler Selbstermächtigung, wie sie die schwule Bewegung der 1970er Jahre stellte, auch innerhalb aktivistischer Kontexte größtenteils aus dem Blickfeld geraten. Dabei ist die heutige Gesellschaft nicht minder davon bestimmt, „echte“ Männlichkeit als heterosexuelle Männlichkeit zu denken und damit schwule Männlichkeit als unmännlich abzuwerten und Individuen entsprechend mit Gewalt und Diskriminierung zu begegnen.

Aus der parteiischen Perspektive einer Polit-Tunte und Aktivistin soll in dem Vortrag auf die Aktualität von Schwulsein als marginalisierte und damit politisch bedeutungsvolle Form von Identität eingegangen werden. Dabei soll versucht werden, das verbreitete Phänomen des schwulen Selbsthass in Kürze darzustellen und seine enge Verbindung zur Vorstellung von „echter“, gesunder Männlichkeit aufzuzeigen. Letztlich muss danach gefragt werden, was das alles mit emanzipatorischer, queerfeministischer und schwuler Politik zu tun hat oder haben kann, warum es das in vielen Fällen scheinbar nicht hat und wo auch aktuelle queere Debatten schwulenfeindlich verlaufen können.
Schwulsein ist politisch. Und Schwulsein schützt vor Dummheit nicht.

Patsy l’Amour laLove / Patrick Henze ist Queer-Aktivist_in, Forscher_in und Polit-Tunte. Er_Sie forscht unter anderem zu schwulen Männlichkeiten, Tuntengeschichte(n) und schwulen Politiken innerhalb der heteronormativen Gesellschaft. Darüber hinaus widmet er_sie sich in den porn studies der Erforschung von schwuler, feministischer und queerer Pornographie.